Gestalttherapie

Die Gestalttherapie ist eine Form der Gesprächstherapie. In der therapeutischen Beziehung können die Klienten die eigenen Kräfte erspüren, Handlungsmöglichkeiten ausprobieren und Blockierungen erkennen. Ziel der Gestalttherapie ist es, den Menschen zu ermöglichen, ihr Leben selbstverantwortlich und lebendig zu gestalten.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang der Begriff „Gestalt"?

Alles was wir wahrnehmen, versuchen wir zu sortieren und zu sinnvollen „Gestalten" zu ergänzen, um es verstehen können. Diese Verhaltensweise kennen wir zum Beispiel aus dem Phänomen der optischen Täuschungen, wenn das Gehirn Unsichtbares ergänzt, um ein Bild zu erkennen. Auch Situationen oder Themen, die uns gerade beschäftigen, sind in diesem Sinne „Gestalten". Eine unabgeschlossene Situation oder eine unerledigte Angelegenheit sind unvollständige Gestalten, die uns stören und viel Energie kosten. Die Gestalttherapie begleitet Menschen dabei, offene Gestalten zu schließen.

Wer hat die Gestalttherapie entwickelt und wo liegen ihre Wurzeln?

Die Gestalttherapie wurde in den 1950er Jahren von Fritz Perls, Laura Perls und Paul Goodman entwickelt und ist seit den 1970er Jahren in Europa etabliert. Ihre Wurzeln stammen aus verschiedenen Strömungen, z.B. der Psychoanalyse, der Gestaltpsychologie, dem Buddhismus, dem Existenzialismus und der Theorie des Dialogs von Martin Buber. Die Gestalttherapie gehört zu den tiefenpsychologischen Verfahren und ist der humanistischen Psychologie zuzuordnen. Das bedeutet: Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Wichtige Elemente der Gestalttherapie:

1. Persönliches Wachstum
Die Gestalttherapie geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus. Sie begreift den Menschen als eine Einheit körperlicher, geistiger und seelischer Prozesse. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch das Potenzial zu persönlichem Wachstum hat und dazu, sich selbst als Handelnden zu erleben.

2. Das Hier und Jetzt
Wir fühlen und denken immer in der Gegenwart. Daher steht in der Gestalttherapie das Hier und Jetzt im Vordergrund. Im Hier und Jetzt treten die unvollendeten Gestalten in den Vordergrund, die gerade eine Wichtigkeit für uns haben. Erst in der unmittelbaren gegenwärtigen Erfahrung können Veränderungen stattfinden. Fragen und Probleme müssen aus der Vergangenheit in die Gegenwart geholt werden, um abgeschlossen werden zu können.

3. Kontakt und therapeutische Beziehung
Im Hier und Jetzt findet auch der Kontakt statt. Der Kontakt wird als ein Prozess von wahrnehmen, sich einlassen, sich auseinandersetzen und loslassen in Bezug auf sich selbst und andere gesehen.
Die Beziehung zwischen Therapeut/in und Klient/in steht daher bei der Gestalttherapie im Mittelpunkt. Die Therapeutin/der Therapeut versteht sich dabei als ein Gegenüber. Die Haltung ist geprägt von Wertschätzung und Respekt.
Die Gestalttherapie geht davon aus, dass sich in dieser Beziehung alle Stärken und Interaktionsmuster sowie Schwierigkeiten und Konflikte zeigen können, die Menschen mitbringen. Diejenigen, die als einschränkend erlebt werden, können so bearbeitet bzw. verändert werden. Andere, die bereichernd sind, können hervorgehoben und wertgeschätzt werden.